Lego™: kein geeignetes Alternatives Investment

Klemmbausteine keine Alternative Assetklasse
Lesezeit 9 min

In letzter Zeit stosse ich immer häufiger auf Beiträge und ganze Blogs, in denen die beliebten Klemmbausteine von Lego™ als alternative Anlageform oder gar als eine tolle Form von Investment mit Gewinnmargen jenseits des Aktienmarktes gepriesen werden. Heute erkläre ich meinen Standpunkt, warum das nur bedingt stimmt. Ich gehe sogar soweit dir ausdrücklich davon abzuraten in Lego™ zu investieren, wenn du kein echter Lego™-Fan bist.

Klemmbausteine allgemein und Lego™

Die Klemmbausteine, die die meisten von uns bereits seit unserer Kindheit kennen, entstanden bereits in den späten 1940er Jahren. Das robuste, stabil steckbare Modell des berühmten 2×4-Grundbausteins wurde 1958 zum Patent angemeldet. Bereits zu dieser Zeit gab es zusätzlich zu Grundbaukästen zum freien kreativen Spielen die ersten Modellbausätze – heute allgemein und typisch anglizistisch als «Sets» bezeichnet.

Die heute ebenso berühmten Minifiguren (kurz Minifigs) entstanden 1978. Sie sind heute bei vielen Serien der Hauptgrund dafür, dass sich ein riesiger Sammlermarkt rund um die Klemmbausteine gebildet hat.

Der dänische Konzern stand um 2003 kurz vor der Pleite, weil gravierende Fehlentscheidungen des damaligen Managements dazu führten, dass Lego™ seine Kernkompetenzen vernachlässigte und dadurch viele Kunden verlor. Herausgerissen hat dies damals ein neues Management und ausgerechnet die Bionicle-Serie, die nach allgemeiner Auffassung insbesondere erwachsener Fans eigentlich nicht viel mit «Lego» zu tun hat. Die meisten Klemmbaustein-Trader machen heute um Konvolute einen grossen Bogen, auf deren Fotos grössere Mengen Bionicle erkennbar sind.

Entstehung des Sammler-Hypes

Der Sammler-Hype entwickelte sich mit der Entstehung sogenannter Lizenz-Serien, angefangen natürlich mit George Lucas’ Star Wars Universum ab 1999. Mit Marvel, Batman, Herr der Ringe, Harry Potter, Indiana Jones und vielen anderen kamen seither etliche weitere Serien von Lizenz-Sets heraus. Die ab 2011 von Lego™ in Eigenregie entwickelte Reihe von Sets namens Ninjago ist bis heute sehr erfolgreich.

Nicht zuletzt dank der Lizenzsets wurden die Modelle immer grösser, komplexer, detaillierter und bestanden aus immer mehr Teilen. Ab ca. 2002/2003 wurden die Minifigs durch unterschiedliche Hauttöne, individuelle Gesichtsausdrücke und erheblich vielseitigere und an die Vorbilder angelehnte Bedruckungen von Torso und Beinen zu begehrten Sammlerobjekten.

Genau das ist der Zeitpunkt, ab dem ich die Entwicklung des bis heute anhaltenden Hypes einordne. Es gibt eine Reihe von Gründen, die ich dafür anführe:

  • Die ersten Lizenzsets, insbesondere Lego™ Star Wars, erfreuten insbesondere Erwachsene. Diese wurden damit an goldene Zeiten ihrer Kindheit und Jugend erinnert, liessen die sogenannten «Dark Ages» hinter sich und zu erwachsenen Lego™-Fans (sogenannte AFOLs, Adult Fans of Lego™).
  • AFOLs sind tendenziell kaufkräftig und erstaunlich wenig preissensitiv. Es ist ein Unterschied, ob ich einem Kind in Form von Geschenken von der versammelten Verwandtschaft das Kinderzimmer voll kleinerer Lego™-Sets stopfe, oder ob ich grössere, detailliertere, «realistischere» Modelle für eine Käuferschicht designe, die bereit sind ein Mehrfaches des Kaufpreises des durchschnittlichen Kindersets zu bezahlen, um sich das fertige Modell einfach in eine Vitrine zu stellen. Neuester Wahnsinn: seit dem 01.11.2021 gibt es ein wahrhaft gigantisches Modell der TITANIC – ein wirklich tolles Set, aber für die meisten potenziellen Käufer viel zu gross. Ich gehe davon aus, dass das Modell trotz seiner Schönheit wegen der Grösse kein Verkaufshit wird.
  • Gerade die inzwischen oft zu kleinen Kunstwerken gereiften Minifigs wecken bei vielen Menschen den Sammlertrieb. Sie sind relativ klein und platzsparend, machen sich gut in Vitrinenschränken und hauchen den verschiedenen Serien erst richtig Leben ein.
  • Lego™ verfolgte schon immer die Politik, Sets nach wenigen Jahren vom Markt zu nehmen. Detailliertere oder auch nur ähnliche Nachfolgemodelle werden wenige Jahre später auf den Markt geworfen. Die künstliche Verknappung der Verfügbarkeit wirkt sich bei entsprechender Nachfrage zwangsläufig auf die Preisbildung am Zweitmarkt aus.
  • Weiterhin ist es eine seit Jahrzehnten geübte Geschäftspraxis des Konzerns, nach wenigen Jahren bestimmte Steine wieder vom Markt zu nehmen, die zuvor nur zur Detaillierung in relativ kleinen Auflagen grosser und teurer Sets eingesetzt wurden. Die resultierende Verknappung dieser Steine führt regelmässig ebenfalls zu drastischen Preisanstiegen. Das kann übrigens auch nach hinten losgehen, wenn ein seit vielen Jahren nicht mehr eingesetzter und ehemals sehr seltener Stein plötzlich in einem neuen Set der unteren bis mittleren Preisklasse wiederaufgelegt wird.
  • Das 2007 herausgebrachte und 2010 eingestellte Modell mit der Setnummer 10179, der Star Wars Millennium Falke der Ultimate Collectors Series, war über lange Zeit mit rund 5.200 Steinen das grösste und komplexeste Modell und erreichte grosse mediale Aufmerksamkeit. Nach der Einstellung des Modells erzielten Privatverkäufer bereits im Herbst 2012 Wiederverkaufspreise von über 2.000 EUR (UVP während der Produktionsphase war knapp 440 EUR). Als die Medien darauf aufmerksam wurden, befeuerte dies den sich entwickelnden Hype erst recht. Das genannte Modell erzielte bis Herbst 2017 Spitzenpreise bis zu 4.200 EUR für ein ungeöffnetes Set in Originalverpackung in Topqualität (wir AFOLs nennen das «MINT») – und brach anschliessend brutal ein, als Lego™ dann mit Set 75192 eine noch detailliertere Neuauflage herausbrachte.

Haken und Ösen

Leider muss ich der Vollständigkeit halber anführen, dass Lego™ seit 2003, als sie nach der Beinahe-Insolvenz die Kurve kriegten, in den Medien häufig nicht sonderlich positiv in Erscheinung tritt. Die Lizenzsets und der resultierende Erfolg riefen Plagiateure aus Fernost auf den Plan, die sich schamlos ein Scheibchen vom stark wachsenden Kuchen abschneiden wollten. Lego™ ging aus nachvollziehbaren Gründen gegen viele Nachahmerprodukte vor, erreichte damit allerdings letztlich das Gegenteil ihres Ansinnens – ab 2003 verloren sie immer wieder Prozesse, die dem grundlegenden technischen Konzept der Klemmbausteine die Patentierbarkeit und den Markenschutz absprachen.

Folgen der Klagewut

Auf diese Weise schuf sich Lego™ ungewollt selbst eine sehr viel langlebigere Konkurrenz. Um die Sachlage weiter zu verkomplizieren: die Nachahmer, die die Prozesse überlebt haben, haben keine simplen Nachbauten der originalen Lego™-Sets im Programm (die wären urheberrechtlich geschützt), sondern sind längst auf komplett eigenständige Designs umgestiegen. Einige der Nachahmer haben obendrein inzwischen eine Produktqualität ihrer Klemmbausteine erreicht, die das Original sogar übertrumpft, teilweise sogar sehr deutlich.

Das kommt insbesondere daher, weil Lego™ seit einigen Jahren bei mehreren Farbtönen massive Qualitätsprobleme bei der Farbtreue hat, und weil heute in vielen Sets massenweise Aufkleber für Motive und Details eingesetzt werden, die vor der Jahrtausendwende direkt auf die Steine gedruckt worden wären. Einige der Konkurrenten aus Fernost setzen hingegen konsequent ausschliesslich bedruckte Steine ein und verzichten vollständig auf Aufkleber.

Qualitätsprobleme

Ein drittes negatives Phänomen ist die sogenannte Farbseuche. Damit ist gemeint, dass Lego™ im Inneren von Modellen, das man normalerweise von aussen nicht sehen kann, einen wilden Mix von quietschbunten Teilen einsetzt. Der Konzern argumentiert zwar, damit Anfängern den Aufbau der Modelle erleichtern zu wollen. Er ist damit jedoch wenig glaubwürdig, weil er damit der zahlungskräftigsten Käuferschicht die Intelligenz abspricht. Negativeffekt: für den Käufer wird es schwieriger, aus den Steinen eines Sets eine Eigenkreation zu bauen, ohne auf einen bereits bestehenden Steinefundus zurückzugreifen.

Auch werden oft und ohne ersichtliche Notwendigkeit mehrere kleinere Steine für einen Bauschritt eingesetzt, für den es seit Jahrzehnten ein passendes grösseres Teil gäbe. Auf diese Weise werden Restbestände aufgebraucht, Produktionskosten gespart (jedes Modell darf abhängig von der Grösse nur eine bestimmte Menge unterschiedlicher Steine enthalten, um die Verpackungsmaschinen einfacher programmieren zu können), und werbewirksam kann ein Set mit mehr Teilen vermarktet werden.

Irritierende Preispolitik

Die Preispolitik nimmt in manchen Serien und bei manchen Sets so groteske Züge an, dass der durchschnittliche Neupreis pro Stein auf mehr als 13 Cent hochgetrieben wird (vor den Lizenzsets waren eher maximal 7 Cent üblich, und selbst die Inflation kann diesen Anstieg nur teilweise erklären), und es gibt Sets, bei denen der Kauf sämtlicher Steine eines Sets in nagelneuen Einzelteilen über den Zweitmarkt namens Bricklink nicht mehr als die Hälfte der UVP kostet.

Gerade in den letzten vier Jahren erzielte Lego™ ausserdem mit PR-Desastern bei der Verfolgung vermeintlicher Markenverletzungen einen richtiggehenden Streisand-Effekt. Schon der Umstand, dass ich in diesem Artikel jegliche Erwähnung der Wortmarke mit einem ™ versehen muss, um das Risiko einer Abmahnung zu minimieren spricht Bände. Ich muss also konstatieren: bei den Dänen ist längst nicht alles Gold was glänzt.

Was bedeutet das fürs Investieren?

Wenn du in Klemmbausteine «investieren» willst, hast du also einige Risiken zu berücksichtigen. Dabei bin ich mit deren Aufzählung noch lange nicht fertig:

  • Jährlich bringt Lego™ hunderte neue Sets auf den Markt und nimmt etwa die gleiche Menge aus dem Programm. Du musst also, wenn du einfach mit brandneuen Sets spekulieren möchtest, einen Riecher dafür haben, welche Sets in Kürze nicht mehr produziert werden und gleichzeitig die besten Chancen haben möglichst rasch im Wert zu steigen. Ohne dich eingehend mit der Materie auseinanderzusetzen und dich genau damit zu befassen, welche Serien Wertsteigerungspotenzial haben und welche nicht, ist ein Scheitern vorprogrammiert.
  • Die Sets mit den grössten Chancen auf eine gute Wertsteigerung bekommst du fast ausschliesslich direkt bei Lego™. Die Folge ist, dass du ausser etwa 7.5% indirektem Rabatt in Form der VIP-Punkte kaum eine Chance auf eine Verbilligung deiner Einkäufe hast. Längerfristig bessere Erfolge kannst du wahrscheinlich mit den Sets erzielen, die du auch bei Amazon, Manor und „den Verlierern“ bekommst. Das bedeutet aber wieder „mehr Arbeit“ und „mehr Lagerfläche“.
  • Apropos Lagerung: Wenn du mit fabrikneuen Sets handeln möchtest, stehen dir hohe Anforderungen an die Lagerung bevor. Denn die besten Wertsteigerungen für komplette Sets kannst du ausschliesslich mit der sogenannten «MINT»-Qualität erzielen. Das bedeutet, die Verpackungen dürfen in keiner Weise beschädigt sein (nicht der Hauch eines Knicks, Kratzers oder einer Beschädigung des Drucks darf auftreten, und die Verpackungssiegel dürfen nicht angerührt werden). Viel Spass bei der Lagerung!
  • Lagerung zum Zweiten: du benötigst zwingend einen geeigneten Lagerraum, in dem du die idealen Lagerbedingungen betreffend Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit garantieren kannst.
  • Lagerung zum Dritten: richte dich darauf ein, die Sets bis zum Wiederverkauf über mehrere Jahre lagern zu müssen. Alternative: möglichst schneller Warenumschlag – dann bist du aber Händler, kein Anleger.
  • Der Wiederverkauf ausgelaufener originalverpackter Sets zu Mondpreisen funktioniert praktisch ausschliesslich online. Nur dort hast du eine ausreichende Chance einen Narren zu finden, der bereit ist dir ein Mehrfaches der ursprünglichen UVP zu bezahlen.
  • Der wichtigste Punkt: Klemmbausteine und deren Sets haben keinen intrinsischen Wert und erwirtschaften nichts. Wertentwicklung basiert einzig und allein auf der Hoffnung auf einen Greater Fool. Damit kannst du den Steinchenhype problemlos mit Tulpenzwiebeln vergleichen, und ich lege dir ans Herz, dich über die damit verbundene Spekulationsblase vor einigen hundert Jahren zu informieren.

Wir halten fest: Der Erwerb von Lego™-Sets mit dem Zweck des gewinnbringenden Weiterverkaufs hat nichts mit Investitionen zu tun, sondern ist je nach Sichtweise im besten Fall Handel und im schlechtesten Fall reinrassige Spekulation. Und die geht mit schönster Regelmässigkeit auch einmal schief. Der oben beschriebene Millennium Falcon ist eines der prominentesten Beispiele. Das Taj Mahal ist ein weiteres – Lego™ hat kurzerhand einige Jahre nach dem ersten Set exakt dasselbe Modell nochmals neu aufgelegt und vielen Spekulanten damit eine schmerzhafte Lektion erteilt.

Und wenn ich es doch versuchen will?

Niemand möchte dich von einem sehr schönen und entspannenden Hobby abhalten. Ich bin selbst begeisterter Sammler insbesondere von Sets der Lego™ Star Wars Reihe – allerdings vermeide ich mit Ausnahme der UCS-Modelle die meisten der seit 2017 veröffentlichten Sets und fokussiere mich auf die Jahre 2011 bis 2016. Ich kaufe allerdings sehr selten Neuware (höchstens dann, wenn diese mit gigantischen Rabatten lockt). Vor allen Dingen «schiesse» ich Schnäppchen in Form von Konvoluten auf Ricardo (z.B. 10240 Red Five X-Wing UCS war 2018 ein 99-Franken-Schnapper).

Allerdings mache ich das bewusst nicht primär mit dem Ziel des Weiterverkaufs, sondern als Hobby zur Entspannung, und weil ich mich an den schönen Modellen erfreue. Mit den Konvoluten habe ich nach mehreren Jahren der Sammelleidenschaft natürlich inzwischen ausnahmslos sehr viel «Beifang», und ich finde es nicht sehr sinnvoll, Jabba’s Sail Barge oder die diversen UCS-Modelle doppelt und dreifach zu besitzen.

Die überschüssigen Modelle werden also durchaus wieder weiterverkauft. Dabei erziele ich sogar überwiegend Margen von mehreren Hundert Prozent. Ein 2018 für lächerliche 24 Franken erworbenes und bis auf die Minifigs praktisch komplettes Ewok Village konnte ich im Januar mit über 600% Reingewinn (also nach Kosten und Steuern) abstossen. Sortierte Einzelteile bringen oft mehrere 1000 Prozent Marge. Allerdings gelingt das inzwischen seltener als noch vor drei Jahren – die Pandemie ist schuld. Warum? Während des Lockdowns sind anscheinend immer mehr Menschen auf die entspannende Wirkung der Klemmbausteine gekommen oder haben von dem Wiederverkaufs-Hype gelesen.

Sie haben seit Anfang 2020 die durchschnittlichen Kilopreise für Konvolute auf Ricardo von ehemals 9 bis 10 Franken auf 13 bis 15 Franken hochgetrieben. Gleichzeitig haben immer mehr Leute festgestellt, dass es sich lohnt, vor dem Verkauf des Sammelsuriums der eigenen Kinder wenigstens die Minifigs auszusortieren und diese separat zu verkaufen. Und: mehr als 90% aller Bieter auf Ricardo und Co. haben keinen blassen Schimmer, wie man korrekt bietet, um einen möglichst niedrigen Kaufpreis zu erzielen.

Schnäppchen immer seltener

Die Folge ist, dass ich seltener Schnäppchen machen kann, sehr häufig die erworbenen Sets nicht komplett vorfinde (sehr oft fehlt mindestens ein Teil der Minifigs) und dass der Zeitaufwand für einen wirtschaftlichen Wiederverkauf zu hoch wird. Deshalb bin ich dazu übergegangen, eine Komplettierung nur noch in Ausnahmefällen vorzunehmen. Ich setze die überschüssigen Modelle stattdessen «as is» wieder rein oder schlachte sie sogar komplett aus. Mit dem Verkauf von einzelnen Steinen (z.B. 200x 2×8-Plättchen) lassen sich sogar die grössten Margen erzielen – wenn der Faktor Zeit, der für das Sortieren aufzuwenden ist, ausser Acht gelassen wird.

Weil aber der Zeitaufwand für eine seriöse Arbeit so enorm ist, kommt ein rechnerischer Stundensatz weit unter Mindestlohn-Niveau dabei herum.

Punchlines

Der Handel mit Klemmbausteinen ist weder Passives Einkommen noch ein halbwegs gut bezahlter Nebenjob. Die Beschäftigung mit den Klemmbausteinen ist ein sehr hübsches Hobby, das sich super mit dem gemeinsamen Zeitvertreib mit den Kindern kombinieren lässt. Reich werden kann man damit aber nicht, wenn man nicht sehr schnell auf eine Skalierung des Geschäftsmodells setzt und sich zwangsläufig auf den Handel mit einzelnen Steinen konzentriert.

Dazu kommt dieselbe Gemengelage aller einschlägigen Spekulationsblasen, wie du sie auch mit Swatch-Uhren, Ü-Eier-Figürchen und allerlei Sammelkarten beobachten konntest: es ist nie sicher, wann und durch welchen Anlass der Hype zu einem jähen Ende kommt. In meinem Fall macht mir das nichts aus, wenn dieser Tag kommen sollte. Denn ich habe mit dem Weiterverkauf des «Beifangs» meine eigene Sammlung inzwischen netto praktisch kostenlos erworben. Etwa 120kg an Einzelsteinen und eine vierstellige Zahl an Minifigs warten noch auf ihren Abverkauf – womit ich keine Eile habe. Sollte der Wert dereinst zusammenbrechen, habe ich damit immer noch eine wunderbare Spende für Waisenhäuser.

Die Vergangenheit zeigt ausserdem, dass die Wertentwicklung von Lego™-Sets stark mit der Konjunktur und der Börsenentwicklung korreliert. Zwischen 2001 und 2003 ging es an der Börse steil bergab, gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit in den Industrienationen an. Die Euroeinführung hatte ab 2002 zusätzlich für weite Teile der europäischen Bevölkerung einen sprunghaften Kaufkraftverlust zur Folge, der nur dank der Konstruktion der Warenkörbe zur Inflationsmessung kaschiert wurde. Wiederverkäufer von Sets hatten in der Zeit einen schweren Stand. Kein Wunder, Spielzeug (erst recht so teures wie die Klemmbausteine) ist extrem zyklisch. Damit ist in Sachen Diversifizierung Fehlanzeige.

Ein Alternatives Investment? Nein, das sind Lego™ und sonstige Klemmbausteine eindeutig nicht, schon gar kein langfristig finanziell lohnenswertes. Dieselbe Summe, die du für diese Spekulationsobjekte aufwenden würdest, kannst du risikoärmer und bei inexistentem Platzverbrauch besser in ein simples ETF-Weltportfolio stecken. Unter dem Strich erzielst du damit mindestens die gleiche Rendite vor Steuern, wendest jedoch nur einen Bruchteil der Zeit dafür auf. Einziger relevanter Unterschied: mit den ETF-Anteilen kannst du nicht so schön spielen.

Jetzt bist du gefordert: du nutzt Klemmbausteine als Spekulationsobjekt oder Investment oder bist einfach generell anderer Meinung als ich? Geh mit mir ins Sparring, diskutiere mit mir. Zeige mir in deinem Kommentar, in welchen Punkten ich mich irren mag. Belege deine gegenteiligen Erfahrungen. Kurzum: mach mit!

2 Kommentare zu “Lego™: kein geeignetes Alternatives Investment

  1. Moin aus Hamburg,
    durch Petra Wolffs Blog bin ich auf Deine Seite gestoßen. Vielen Dank für diesen ehrlichen Beitrag! Ich habe auch immer mal wieder mit dem Gedanken an Lego Investments gespielt. Mir ist das Ganze aber zu aufwendig und ich müsste ständig nachforschen, welche Sets bald EOL haben etc. Da sind mir meine ETFs viel lieber. Ich konnte es aber dennoch nicht lassen und habe mir 2x das Set 10277 gekauft (CH Krokodil) um eines aufzubauen und das andere wieder zu verkaufen. Jetzt vor Weihnachten könnte ich es evtl. mit 30-40% Gewinn wieder verkaufen. Aber des Aufwand nervt mich, also bleibt es bei diesem einen Verkauf. Nochmals Danke für den Artikel. Beste Grüße aus Hamburg
    Dominik

    1. Hallo Dominik, vielen Dank für deinen Kommentar. Genau, für den Aufwand des Wiederverkaufs muss „man geschaffen sein“. Die meisten, die davon lesen/hören, dass mit Lego so tolle Gewinnspannen erzielbar seien, machen sich keine Vorstellung vom Zeitaufwand, den das bedeutet. Dazu kommt, dass es gar nicht so einfach ist herauszufinden, was „bald“ EOL sein wird, denn der Konzern veröffentlicht keine Listen, sondern im Onlineshop werden einige Sets von einem Tag auf den anderen als „Einstellung in Kürze“ gekennzeichnet. Dummerweise ist „in Kürze“ ein sehr dehnbarer Begriff, und viele andere Sets (oft gerade die lukrativen) verschwinden ohne jede Ankündigung einfach so. Ebenso kommt es immer wieder vor, dass einzelne Sets eine erstaunliche Langlebigkeit an den Tag legen und teils Jahre über die durchschnittliche Vertriebsdauer hinaus im Handel bleiben.

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