Säule 3a: Genau so lohnt sie sich

Säule 3a: so lohnt sie sich richtig
Lesezeit 10 min

Das Sparen in der dritten Säule, konkret in der steuerlich geförderten Säule 3a («gebundene Vorsorge» genannt), ist ein Schweizer Volkssport. Warum auch nicht? Steuern sparen will schliesslich jeder, oder? In Deutschland kennen wir ein vergleichbares Konzept unter der Bezeichnung «Riesterrente». Tatsächlich ist das Prinzip zwischen beiden Vorsorgeformen in gewissen Grundzügen vergleichbar. Es gibt einen wesentlichen Unterschied, und damit greife ich das Resultat meines heutigen Posts vorweg: 3a-Sparen in der Schweiz lohnt sich unter bestimmten Voraussetzungen, «riestern» für die meisten Deutschen nicht (das werde ich bald in einem ausführlichen Post begründen; auf einem meiner alten Blogs hatte ich das anno 2009 beschrieben, und in aktualisierter Form greife ich das auf).

Der Grund, warum der Staat die «gebundene Vorsorge» erfunden hat ist der, dass für die allermeisten Menschen die aus AHV-Rente und Pensionskassenrente bestehende Rentenversorgung nicht mehr für einen angemessenen Lebensunterhalt in der Rentenphase reicht. Mit der steuerlichen Förderung sollen also Anreize geschaffen werden, dass die arbeitende Wohnbevölkerung der Schweiz zur Deckung der Rentenlücke selbstständig spart, statt sich später auf den Grundsatz «Vater Staat wird es schon richten, dafür sind Ergänzungsleistungen ja da» zu stützen.

Bei steuerlich geförderten Anlageformen solltest du allerdings sehr genau hinschauen, ob dabei alles mit rechten Dingen zugeht, und insbesondere ein Vergleich mit anderen Anlagevehikeln drängt sich hier auf, die nicht steuerlich subventioniert werden.

Unterschiede zwischen Säule 3a und 3b

Damit ihr meine Schlussfolgerungen nachvollziehen könnt, müssen wir uns zuerst kurz über die wichtigsten Unterschiede zwischen der steuerlich geförderten Säule 3a und dem «freien Sparen» in Form der Säule 3b unterhalten. Ich liste nachfolgend die wichtigsten Aspekte auf:

 

  • Zielgruppe: «Freies Sparen» kann jeder betreiben, der irgendwie freie finanzielle Mittel hat, die er/sie beiseitelegen kann. Die Säule 3a steht nur Erwerbstätigen mit AHV-pflichtigem Einkommen und Wohnsitz in der Schweiz zur Verfügung.
  • Anlageformen: «freies Sparen» kann ich in jeder denkbaren Form. Neben klassischem Bankkonto oder Wertpapierdepot kann ich auch Versicherungen abschliessen, P2P-Crowdlending betreiben, Lego oder Kunst oder Goldbarren kaufen oder Bargeld in Kopfkissenbezügen einnähen – also was auch immer mir beliebt. Fürs 3a-Sparen existieren allerdings exakt drei Anlageformen: 3a-Bankkonto, 3a-Wertpapierdepot oder eine 3a-Lebensversicherung/Rentenversicherung. Heute gilt mehr denn je, dass «Sparen» und «Versicherung» so gegensätzlich sind, dass sie nicht unter einen Hut zu bringen sind, und deshalb sind 3a-Versicherungen ein absolutes «No Go». Ein 3a-Konto in Form eines Banksparplans bringt faktisch nach Inflation keine Zinsen mehr und ist daher ebenfalls uninteressant geworden (2006 sah das noch anders aus). Wir schauen uns daher hier und heute die einzige noch sinnvolle Sparform des Wertpapierdepots an
  • Verfügbarkeit: Guthaben aus dem «freien Sparen» kann ich jederzeit verwenden, wenn ich es für irgendetwas dringend benötige (lassen wir mal aussen vor, dass ich für bestimmte Anlagen eine Vorlaufzeit benötige, damit ich den Gegenwert in Geld verfügbar habe). Guthaben in einer 3a-Vorsorgeform hingegen liegt im Normalfall fest, bis ich ein Mindestalter für den Bezug erreicht habe. Aktuell mussst du mindestens 60 Jahre alt sein, um ein früher eröffnetes 3a-Konto wieder auflösen zu dürfen. Und spätestens wenn du 70 geworden bist, musst du alle 3a-Konten aufgelöst haben. Es gibt ein paar Ausnahmen von dieser Regel: wer sich selbständig macht und das Guthaben als Startkapital verwendet darf frühzeitig ran, Hauskäufer ebenfalls, und für eine bereits bestehende selbst bewohnte Immobilie darf ich alle fünf Jahre ein 3a-Konto auflösen. Gutverdienende Immobilienbesitzer sind daher diejenigen, für die sich diese Anlageform am allermeisten lohnt.
  • Beträge: Für das «freie Sparen» kann ich jederzeit beliebige Beträge aufwenden. In Säule 3a darf ich als normaler Arbeitnehmer aktuell (2021) jährlich höchstens 6’883 CHF einzahlen, und als Selbständiger/Freiberufler maximal 34’415 CHF (sofern das nicht mehr als 20% meines steuerbaren Einkommens des Einzahlungsjahres entspricht).
  • Vermögenssteuer: Sobald ich durch «freies Sparen» ein bestimmtes Vermögen angesammelt habe (die Freibeträge hängen vom Wohnkanton ab, vom Familienstand und davon, wie viele Kinder ich habe), muss ich auf Ebene Kanton und Wohngemeinde Vermögenssteuer zahlen. In einigen wenigen Kantonen ist das eine Flattaxrate, also unabhängig von der Höhe des Vermögens ein fester Steuersatz; in den restlichen Kantonen ist die Vermögenssteuer progressiv gestaltet. Guthaben, das du in Säule 3a angelegt hast, ist hingegen bis zum Zeitpunkt der Auszahlung steuerfrei.
  • Auszahlung: mein freies Vermögen kann ich prinzipiell jederzeit und in jeder beliebigen Höhe verwenden. Dein Girokonto bzw. Privatkonto gehört genau genommen ebenfalls zum «freien Sparen», obwohl es seit Jahren keine Zinsen mehr generiert. Du verstehst dennoch was ich meine. Ein 3a-Konto muss ich hingegen, wenn ich die Voraussetzung für den Bezug erfüllt habe (siehe Verfügbarkeit oben), vollständig beziehen und das Konto auflösen.
  • Steuern zahlen: Nur Steuerzahler können Steuern sparen. Mein Guthaben auf den Konten bei der Bank ist aus bereits versteuertem Einkommen entstanden. Deshalb ist in diesen Fällen der Zugriff grundsätzlich steuerfrei. Eine Ausnahme von dieser Regel können rückzahlungsfähige Lebensversicherungen darstellen, bei denen während der Ansparphase Möglichkeiten für steuerliche Abzüge bestehen. Bei der Säule 3a hingegen fallen mit der Auflösung eines 3a-Kontos sogenannte Kapitalauszahlungssteuern an. Diese sind im Auszahlungsjahr einmalig fällig, und die Höhe hängt wieder insbesondere vom Kanton und der Gemeinde ab. In den allermeisten Fällen ist die Kapitalauszahlungssteuer progressiv gestaltet und hängt somit direkt von der Höhe des auszuzahlenden Guthabens ab. Das ergibt übrigens noch einen zusätzlichen Steuerspartrick: wenn du nicht nur ein 3a-Konto führst, sondern mehrere, kannst du «die Progression brechen», indem du den Bezug der einzelnen Konten über mehrere Jahre verteilst
  • Anzahl Konten: prinzipiell darf ich bei beliebig vielen Banken beliebig viele Konten und Depots eröffnen und führen (lassen wir die Kosten mal aussen vor). An sich gilt das ebenfalls für 3a-Konten und -Depots, allerdings mögen es die Steuerämter der Kantone nicht, wenn du es mit dem Trick zum Brechen der Progression übertreibst und akzeptieren daher nur drei bis fünf 3a-Beziehungen. Erkundige dich also im Zweifelsfall beim Steueramt deines Kantons, wieviele 3a-Beziehungen du eröffnen darfst, ohne Ärger mit dem Steueramt zu bekommen
  • Es gibt noch ein paar Spezialitäten wie (Ver)Pfändbarkeit und Handhabung im Erbfall, die für die heutige Betrachtung allerdings nicht relevant sind

Du siehst, dass es eine Menge wichtiger Unterschiede gibt, und manche sprechen eher für die freie Anlage und andere für 3a. Doch wann überwiegt das eine oder das andere? Im Web findest du fast ausschliesslich «Tipps» der Form «Sie müssen unbedingt in Säule 3a sparen, denn da sparen Sie Steuern mit», aber praktisch nirgends wird einmal ausführlicher auf die unübersehbaren Nachteile dieser Sparform eingegangen. Gerade das macht Menschen wie mich dann schnell mal misstrauisch, und unsereiner rechnet daher mit spitzer Feder nach.

Da wir hier ausschliesslich 3a-Depotlösungen berücksichtigen, müssen wir noch kurz auf die sogenannte Kostenquote eingehen. Denn diese Depots bekommst du anders als den klassischen Banksparplan nicht gratis, sondern die depotführende Bank möchte einen jährlichen Obulus dafür haben, dass sie ein paar Bits und Bytes für dich aufbewahrt und dir regelmässig einen Bericht zur Verfügung stellt. Es gibt eine Vielzahl klassischer Depotpläne, die auf sogenannten klassischen Investmentfonds basieren. Die dort anfallenden Kosten in Form der jährlichen Fondsgebühren liegen oft in der Grössenordnung von 1.2 bis 1.75% p.a. – da das so viel ist, fallen in der Regel keine separaten Depotgebühren mehr an – und für uns Sparfüchse sind diese Fonds vollkommen uninteressant. Für uns interessant sind daher nur die 3a-Depots, bei denen wir Sparpläne auf Basis von ETFs einrichten können, und im Idealfall sogar noch mit nahezu freier Wahl der Portfoliostruktur (heute vernachlässige ich bewusst, dass der Gesetzgeber hier sehr enge Leitplanken setzt). Beim Vermögenszentrum etwa sind das 0.68% p.a. zzgl. der Fondskosten der einzelnen ETFs, bei VIAC je nach gewähltem Sparplan maximal etwa 0.5% als «All-In-Fee». Es gibt einige wenige weitere Anbieter, auf die ich irgendwann später separat eingehen möchte.

Malen nach Zahlen

Gleich lasse ich hier sozusagen die Hosen runter und lege die für meine persönlichen Verhältnisse relevanten Parameter offen, damit meine Schlussfolgerungen weiterhin nachvollziehbar bleiben. Wenn du meine Berechnungen für dich nachvollziehen willst, ist es wichtig, dass du für deine eigenen Verhältnisse die folgenden Informationen bereit hältst:

  • Persönliches Nettovermögen über dem Freibetrag deines Wohnkantons (ja/nein)? In meinem Fall: ja. Und das bereits sehr lange
  • Steuerlicher Hauptwohnsitz: ich lebe in einer Gemeinde im Kanton Luzern mit mittlerem Steuerfuss (also weder Steuerparadies noch Steuerhölle). In Luzern beträgt die Vermögenssteuer seit Beginn des Jahres 2021 0.875 Promille, zu multiplizieren mit dem Steuerfuss – in meinem Fall zahle ich jährlich etwa 0.32% Steuern auf mein Vermögen über dem Freibetrag
  • Persönlicher Grenzsteuersatz: ich bin Gutverdiener, Mieter (lies: kein selbstbewohntes Wohneigentum) und Alimentezahler. Nach sämtlichen für mich nutzbaren Abzügen (vor Berücksichtigung von Vorsorgeabzügen) liegt mein Steuerbares Einkommen immer noch in einer Region, dass mein Grenzsteuersatz 20.97% beträgt. Das heisst, für 1’000 Franken, die ich vom Steuerbaren Einkommen abziehen kann, muss ich 209.70 CHF weniger Steuern zahlen
  • Depotgebühren: ich habe meine 3a-Depots (ja, Plural) seit meiner Einwanderung beim VZ, in meinem Fall muss ich also Depotkosten von 0.68% p.a. in die Kalkulation einbeziehen
  • Sparbeitrag pro Jahr: ich bin in der glücklichen Situation, jedes Jahr das jeweils steuerlich anerkannte Maximum für 3a einzahlen zu können   
  • Zwar kannst du «Zinsen und Sparkapitalien» von der Steuer absetzen, jedoch fressen in den meisten Kantonen allein schon die in derselben Rubrik abziehbaren Kosten für die Krankenversicherung mehr als hier als Maximalbetrag abziehbar ist, womit wir effektiv unsere Zinsen und Dividenden doch vollständig versteuern müssen
  • Einzahlungsdauer: in meinem Fall sind das 29 Jahre bis zum 65. Lebensjahr. Danach will ich die Guthaben gestaffelt beziehen
  • Portfoliostruktur: ich werde das ein andermal ausführlich erklären, was meine Gründe sind, hier heute nur so viel: ich nutze seit 2017 die seitdem maximal mögliche Aktienquote von 97% für 3a-Depots aus (zuvor das gesetzliche Maximum von 50%), habe den Homebias «Schweiz» so weit es nur geht in den 3a-Depots reduziert und verfolge ansonsten den Ansatz eines Weltportfolios. Das führt dazu, dass meine 3a-Depots zusammen seit Beginn der Investition Ende 2011 bis heute einen durchschnittlichen internen Zinsfuss von 6.40% p.a. nach Abzug aller Kosten (ETF-Kosten und VZ-Gebühr) liefern, und das trotz des extrem miesen 2018 (-13.32%) und des durchwachsenen Pandemiejahrs 2020 (+4.34%)

In den Jahren 2011 bis 2015 war ich Quellensteuerzahler, wie jeder erwerbstätige Ausländer in den ersten fünf Jahren nach der Einwanderung in die Schweiz. Allerdings wurde ich aufgrund meiner Einkommenssituation bereits seit 2014 nachträglich ordentlich veranlagt. Entsprechend unterlag mein persönlicher Grenzsteuersatz anfangs einer gewissen Fluktuation (als Quellensteuerzahler lag dieser Satz aufgrund der Berechnungsgrundlage der Quellensteuer sogar eher bei 25%). Aus Vereinfachungsgründen rechne ich für alle Jahre mit dem aktuellen Wert von 20.97%.

In den Jahren 2017 bis 2020 hatte ich ausserdem meine jährlichen Einzahlungen ausgesetzt, und zwar weil ich im Sommer 2017 die hier vorgestellte Berechnung erstmals angestellt hatte und damals im Ergebnis zu dem Schluss kam, dass eine weitere Einzahlung sich nicht mehr rechne, bis ich etwa 55 Jahre alt wäre. Erst dieses Jahr, als ich für meine Expartnerin die Kalkulation nochmals hervorgezogen habe, fiel mir ein Fehler in der Tabelle auf, der das Resultat in die andere Richtung kippt. Das wird der heutige Cliffhänger.

Doch der Reihe nach:

2011 habe ich am Ende des vierten Quartals das erste 3a-Depot beim VZ eröffnet und die damals gültigen 6’682 CHF einbezahlt. Für dieses letzte Quartal musste ich also ¼ von 0.68% Depotgebühren auf diese 6’682 CHF bezahlen, also ca. 11.36 CHF. Das bisschen Rendite, das 2011 für mich noch zu erzielen war, wurde also von den Kosten damals gefressen. Allerdings sparte ich durch die rechtzeitige Einzahlung mehr als 1’400 CHF Quellensteuer. Netto habe ich also nur 5’281 CHF einbezahlt, per Jahresende aber ein Guthaben von 6’670.64 gehabt – betrachte die Steuerersparnis also als indirekte Verzinsung. Und genau das ist der Grund, weshalb alle Welt davon schreibt, 3a-Sparen sei ein unverzichtbarer Baustein für die Altersvorsorge.

So ging das in den Folgejahren stetig weiter, nur dass da natürlich die Depotentwicklung sich deutlich sichtbar bemerkbar machte. Die nachfolgende Tabelle zeigt die IST-Werte von 2011 bis Stand heute und Planzahlen auf Basis der aktuell gültigen Rahmenbedingungen bis zu meiner voraussichtlichen Pensionierung:

Tabelle mit progonostizierter Rendite im 3a-Depot
Tabelle mit progonostizierter Rendite im 3a-Depot

Wenn ich die Spalte C (Beitrag) zusammenfasse, werde ich bei gleichbleibendem Maximalsatz also insgesamt 171’155 CHF in die Depots einbezahlt haben. Unmittelbar werde ich deshalb total knapp 36’000 CHF weniger Einkommensteuer zahlen, als wenn ich dieselbe Summe direkt in mein reguläres Wertpapierdepot übernommen hätte. Netto nach diesem Steuereffekt beträgt meine Einzahlung also nur noch 135’272 CHF. Jetzt müssen wir einige Annahmen treffen, damit die Kalkulation möglich ist und einigermassen Sinn ergibt:

  • wir gehen davon aus, dass die historische Durchschnittsrendite von 6.4% p.a. in die Zukunft fortgeschrieben werden kann (dünnes Eis, jedoch zeigen etliche Studien, dass dies für ein Weltportfolio nach Kosten sogar noch sehr konservativ geschätzt ist)
  • wir müssen annehmen, dass mein «freies Sparen»-Depot dieselbe Rendite abwerfen wird (faktisch ist es über die letzten 11 Jahre noch mehr, da ich im Depot keinen Homebias Schweiz habe und ich einige Assetklassen im Depot nutze, die mir das VZ oder VIAC und Co. nicht bieten können)
  • wir müssen davon ausgehen, dass mein Grenzsteuersatz und die Höhe der Vermögenssteuer weiterhin konstant bleiben
  • wir müssen davon ausgehen, dass ich nun bis zur Rente Jahr für Jahr das 3a-Maximum einzahle, und dass ich insbesondere die jährliche Ersparnis an Einkommen- und Vermögenssteuern in mein normales Depot einzahle

Unter Einhaltung dieser Bedingungen wird das VZ am Ende der Laufzeit insgesamt gut 30’120 CHF an Depotgebühren vereinnahmt haben. Allerdings wird das Endguthaben bei ungefähr 407’500 CHF liegen, und das ist recht ordentlich, oder?

Da 3a-Depots von der Vermögenssteuer ausgespart werden, spare ich über die gesamte Laufzeit gut 13’830 CHF Vermögenssteuer, die du ebenfalls als eine indirekte Zinsform interpretieren kannst.

Bis hierhin (Spalte K) ging anno 2017 meine Tabelle. Und deshalb kam ich zu dem Schluss, dass ich mit 3a Schluss machen müsse. Denn die Steuerersparnis beträgt bei der Betrachtung total ca. 49’700 CHF. Bei der Auszahlung fallen aber in Luzern knapp 8.5% Kapitalauszahlungssteuer auf das Guthaben von 407’500 CHF an, also 34’500 CHF, und zusammen mit den Depotkosten fürs VZ von 30’120 CHF kommt dann heraus, dass mich der «Spass» zusammen etwa 64’620 CHF kostet, sich der Nutzen aber auf die genannten 49’700 CHF beschränkt – ich zahle scheinbar also drauf, wenn ich ein 3a-Depot nehme, statt einfach aus bereits versteuertem Einkommen zu investieren.

Und damit sind wir beim angekündigten Cliffhänger, denn ich habe damals etwas wichtiges übersehen – die Zinsen auf die in der Jahresrendite enthaltenen Dividenden und Zinsausschüttungen nämlich! Die machen bei einem gut diversifizierten Depot etwa 20% der Gesamtrendite aus (der Rest sind Kurssteigerungen), und wenn ich dasselbe Geld im normalen Depot anlegen würde, muss ich ja mit meinem persönlichen Grenzsteuersatz Steuern auf eben diese Zinsen und Dividenden abdrücken.

Auf die 29 Jahre bezogen werden das voraussichtlich Steuern auf Zinsen und Dividenden in Höhe von rund 11’400 CHF sein, und somit «spare» ich dank 3a dann total 61’150 CHF. Gegenüber den Kosten sieht das immer noch nicht danach aus, als wäre 3a eine rentable Investition. Aber jetzt kommt’s: ich bin ja ein Schlaufuchs und der Zahlengraf: selbstverständlich verpulvere ich die Steuerersparnis nicht, sondern lege sie ebenfalls Jahr für Jahr an. Und selbstverständlich hat dann auf dieser Investition der Zinseszins sein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Wenn die jährlichen Steuereinsparungen jährlich angelegt werden und jedes Jahr ebenfalls die 6.4% abliefern, summiert sich dieser Effekt auf insgesamt 128’260 CHF! Und schon ist die Entscheidung Pro/Contra 3a-Sparen komplett in die andere Richtung gekippt.

Jetzt bin ich ein gutsituierter Mittvierziger, der sich realistischerweise nur noch so gerade eben zum Mittelstand zählen darf. Wie schaut die Kalkulation denn für Menschen aus, die nicht jedes Jahr das Maximum zurücklegen können oder wollen? Oder für solche, deren Grenzsteuersatz wegen erheblich geringeren Einkommens nur bei 10 oder 15 Prozent liegt? Was passiert, wenn sich aufgrund einer wirtschaftlichen Depression der langfristige Ertrag auf nur noch 3% p.a. bemessen sollte?

Hier die Antworten:

  • fällt die Rendite auf 3% p.a. (alle anderen Annahmen wie oben), dann beträgt das Endguthaben ca. 260’500 CHF (und VZ verdient an mir 23’100 CHF) – Kapitalauszahlungssteuer 20’270 CHF, angelegte Steuerersparnis aber 71’700. Immer noch ein No-Brainer
  • beträgt der Grenzsteuersatz nur 10%, liegt die Steuerersparnis bei 73’500 CHF. Die Kosten blieben bei den 61’150 CHF, also nach wie vor ein rentables Investment
  • könnte ich jährlich nur 1’000 CHF für 3a zurücklegen, reduzieren sich alle relevanten Zwischenergebnisse proportional – die 3a-Anlage bleibt weiterhin lukrativer als eine alternative 3b-Investition

Mein revidiertes Fazit: es ist tatsächlich so, dass sich die Anlage in ein 3a-Depot dauerhaft rechnet. Und ich müsste mich ziemlich ärgern, dass ich in den letzten vier Jahren keine Einzahlungen getätigt habe. Glücklicherweise ist das Geld aber nicht verdunstet, sondern stattdessen ja ins reguläre Depot gewandert. Mir sind also ein paar Franken Steuerersparnis durch die Lappen gegangen, mehr nicht.

Zum Abschluss noch ein Zückerchen

Wir haben oben gesehen, dass in Luzern eine Kapitalauszahlung von 407’500 CHF zu einer Steuerbelastung von etwa 34’500 CHF führt (ohne den Zinseszinseffekt wäre das bei meinem Grenzsteuersatz gerade noch rentabel). Allerdings ist es ja erstrebenswert, die Auszahlung auf mehrere Jahre zu strecken, und das mache ich ja mit einer Aufteilung auf mehrere 3a-Depots. Ich gehe davon aus, dass ich die in Luzern herkömmlich unproblematischen 5 Depots verwenden werde, und dann sind das je Depot «nur noch» ca. 81’500 CHF / Depot. Dafür will der Fiskus dann «nur noch» 4’320 CHF haben, für fünf Depots also «nur noch» 21’600 CHF. Mit diesem simplen Trick kann ich also die Progression «brechen» und spare nochmals 12’900 CHF Steuern.

Puh, ist etwas länger geworden heute. Ich hoffe aber, dass sich die Lektüre für dich gelohnt hat.

Falls du vorhast, mal Immobilienbesitzer zu werden, also vor allem für dich ein selbstbewohntes freistehendes Haus anstreben solltest, gibt es noch ganz andere Möglichkeiten. Denn dann darfst du ein 3a-Depot eröffnen, kannst fünf Jahre lang einzahlen und kräftig Steuern sparen, und nach Ablauf der fünf Jahre löst du das 3a-Depot auf (zahlst kaum nennenswert Steuern dafür) und nutzt das Geld für die Amortisation deiner Hypothek oder für eine werterhaltende oder wertvermehrende Investition ins Haus (z.B. für eine Renovierung des Dachs, einen Anbau oder Umbau oder für eine neue effizientere Heizungsanlage).

Wie schaut es bei dir aus? Sparst du mit Hilfe der 3. Säule? Hast du für dich die Renditeberechnung bereits in dieser oder ähnlicher Form mal durchgerechnet? Ich bin gespannt auf dein Feedback.

5 Kommentare zu “Säule 3a: Genau so lohnt sie sich

  1. Hallo Kauntnull,

    herzlichen Dank für den ausführlichen Zahlenreigen zur Säule 3a und gleich noch gut adaptierbar, da selber im Kanton Luzern wohnend.

    Lange Zeit liess ich die Säule 3a auf einem KB-Konto „dümpeln“ und habe sie in der Zwischenzeit optimiert und gesplittet. Die Geschichte mit den fünf Jahren schaue ich mir noch genauer an.

    Sonnige Grüsse, Mike

  2. Hallo KauntNull

    Sehr spannender Beitrag von dir zur 3a Säule.
    Die genaue Berechnung habe ich bisher noch nie gemacht. Finde deine Berechnung aber sehr spannend und verständlich. Ich wurde so erzogen das die Säule 3a ein No-Brainer ist. Deshalb zahle ich auch bereits das 3. Jahr bei VIAC ein (Bin 25 Jahre alt geworden dieses Jahr). Dabei setze ich eher auf einen globalen Ansatz da mein Geld aus der 2. Säule in die Schweizer Wirtschaft investiert wird.

    Als Ergänzung zum Thema:
    Es wurde im National- und Ständerat eine Motion angenommen die Nachzahlungen in die 3a zukünftig erlaubt. Vielleicht Kannst du in einigen Jahren deine Lücke auffüllen und so einmalig Steuern sparen 🙂

    Liebe Grüsse und viel Erfolg mit deinem Blog
    Schweizer Minimalist

    1. Hoi Minimalist, vielen Dank für deinen Beitrag und für deine Wünsche. Ich hoffe sehr, dass aus der Motion möglichst bald ein Gesetz wird. Allerdings befürchte ich nach dem Wortlaut des aktuellen Entwurfs, dass der Nachkauf auf fehlende Beiträge der letzten fünf Jahre beschränkt wird, analog der AHV, nicht wie beim Einkauf in die Pensionskasse. Je nachdem, wie lange es so dann bis zum Gesetz braucht, kann ich Pech haben und meine 3a-„Lücke“ nur sehr unvollständig füllen. Könnte ich hingegen auf die komplette Lücke nachzahlen (mir fehlen immerhin die ersten 15 Jahre vom 21. bis zum 36. Lebensjahr, da ich ja Einwanderer bin), wäre das ein riesiger Renditekicker.

  3. Ein toller und wichtiger Beitrag!

    Ich bin kürzlich auf dasselbe Ergebnis gekommen. Bei der Säule 3a fallen die Kapitalbezugssteuern/Depotgebühren höher aus als die Vermögenssteuern/Depotgebühren beim „freien Investieren“.
    Dank Reinvestition der erzielten Steuerersparnis dreht sich das Blatt wieder und die Säule 3a steht besser da.

    Die Säule 3a möglichst beim Anbieter mit den geringsten Gebühren zu verwalten macht auf lange Sicht ebenfalls einiges aus.

    Beste Grüsse
    Oliver

    1. Hoi Oliver, vielen Dank für deinen Besuch und für deinen Kommentar. Richtig, die Mehrheit der Schweizer (aber auch der Deutschen) hat überhaupt keinen Bezug dazu, wie sehr die Gebührenstruktur an der langfristigen Rendite nagt. Deshalb war ich anno 2011 heilfroh mit dem VZ wenigstens EINEN Anbieter zu finden, der bei den damals geltenden Regeln (max. 50% Aktienquote) nicht auf teure Fonds setzte, sondern bereits einigermassen günstige ETFs verwendete.
      Mein persönliches Langfrist-Depot hat eine durchschnittliche TER von 0.2% p.a., wenn ich die Tracking Difference über die letzten 5 Jahre mit einbeziehe, komme ich auf 0.02% p.a. Depotgebühren fallen keine an. Meiner Meinung nach müsste dies auch hierzulande wenigstens für 3a-Depots so sein, leider ist dies noch nicht Realität. Mit VIAC, Frankly und Finpension sind wenigstens ein paar neue Player am Start, die die Gebührenstruktur in die richtige Richtung drücken.

      Der Knackpunkt bei der derzeitigen Struktur ist der, dass man wirklich konsequent und diszipliniert am Ball bleiben muss, sonst ist 3a ein Draufzahlgeschäft für die Mehrheit der Anleger. Interessant ohne Reinvestition der Steuerersparnisse ist sie anderenfalls ausschliesslich für Topverdiener mit selbstbewohnter Immobilie in einer Steuerhölle wie der Romandie, Bern und dem Wallis. Bei Anlagehorizonten von nur fünf Jahren würde ich dann allerdings tatsächlich überlegen das Marktrisiko auszuschalten und allein die risikofreie Rendite aus der Steuerersparnis mitzunehmen. Müsste man ebenfalls einmal durchrechnen, denn sobald die Immoblase platzt, will ich absahnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.