Mobilität: Das kostet sie wirklich

Mobilität: das kostet sie wirklich
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Mobilität in der Schweiz

Mobilität ist den meisten Menschen heute sehr wichtig. Wie sehr, durften wir in der sogenannten zivilisierten Welt in den letzten 20 Monaten überall erleben, wo es angesichts der Pandemie zu einem oder mehreren Shutdowns oder gar Lockdowns gekommen ist. Denn teilweise brachen Verkehrsaufkommen auf Autobahnen und in Innenstädten brachial zusammen, die Luftfahrtbranche hat sich noch heute nicht von dem nahezu europaweiten Flugverbot des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 erholt, und in den Zügen der Deutschen Bahn und der SBB war zeitweilig das Passagieraufkommen ebenfalls um über 90% reduziert.

Hier in der Schweiz wird extrem viel gependelt. Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass dies prozentual am Anteil der arbeitenden Bevölkerung gemessen sogar erheblich mehr ist als in Deutschland, auch wenn wir Deutschen gern mal von aussen als Pendlernation wahrgenommen werden. Im Unterschied zur Schweiz verfügt Deutschland jedoch über riesige Grossstädte (aus Schweizer Sicht beurteilt – der durchschnittliche Chinese würde sich hingegen wahrscheinlich schlapp lachen, was wir in Europa so alles als «Stadt» bezeichnen). Hierzulande sind etliche der Hauptorte der einzelnen Kantone kleiner als 10’000 Einwohner, und deshalb sind die Schweizer vorsichtig mit der Bezeichnung «Hauptstadt», sondern greifen lieber auf «Hauptort» zurück.

Wegen des Steuerwettbewerbs zwischen den Kantonen und innerhalb der Kantone zwischen den Gemeinden kommen seltsam anmutende Fehlanreize zum Vorschein. So ist es zwar extrem lukrativ in Zürich, Basel oder Zug zu arbeiten, jedoch ist es gleichzeitig für viele Normalverdiener schlicht nicht mehr möglich, in denselben Orten zu leben, in denen sie arbeiten. Das liegt vor allen Dingen an den Mietpreisen (wobei die Faustformel «niedrige Steuern gleich hohe Mietpreise» nicht in allen Fällen aufgeht). Und deshalb wird extrem viel gependelt, teilweise jeden Tag quer durchs halbe Land. Ich kenne Nachbarn, die täglich drei bis vier Stunden mit dem Pendelverkehr beschäftigt sind.

Der Pendler an sich

Die Verbindungen Bern-Zürich, Bern-Luzern, Basel-Zürich und viele andere sind in den Stosszeiten «pumpevoll», wie wir hier dazu sagen, und genau so ist es auf den Autobahnen. Gemäss Bundesamt für Statistik (BfS) pendeln täglich mehr als die Hälfte der betroffenen Erwerbstätigen mit dem Auto, und die durchschnittliche einfache Strecke beträgt 14.5km (über alle Verkehrsmittel hinweg). Etwas erschreckend daran ist die dafür aufgewendete Zeit von rund 30min pro Strecke. In der Zeit bin ich früher im Ruhrgebiet vom Essener Nordwesten aus bis in die Dortmunder Innenstadt gependelt (etwa 45km), und das war schon nicht superschnell.

Ausser dem Auto nutzen sehr viele Berufspendler ein Ganzjahres-Abo der SBB, das hier Generalabonnement oder kurz GA heisst und jährlich (Stand 2021) 3’860 CHF kostet. Wegen der vollgestopften Abteile nutzt ein relativ grosser Teil der Bahnpendler sogar das GA der 1. Klasse, das auf satte 6’300 CHF pro Jahr kommt. Damit setze ich hier den Anker, was du für einigermassen unbegrenzte Mobilität derzeit mindestens monatlich investieren musst, nämlich zwischen 322 und 525 CHF. Wenn du nur ein Abo für den eigenen regionalen Verkehrsverbund löst, geht es auch günstiger, allerdings erreichst du bei den in der Regel in Zonen aufgeteilten Regionen relativ schnell den Punkt, dass der Aufpreis zwischen Zonen-Abo und GA keine grosse Rolle mehr spielt. Selbstverständlich ist für jede Person im Haushalt ein separates Abo zu kalkulieren.

Die Schweiz ist im Durchschnitt ein vergleichsweise autofeindliches Land, gerade verglichen mit Deutschland, wo du dein Auto gefühlt fast überall abstellen darfst, vor allen Dingen in den Wohnvierteln. Hierzulande ist es hingegen ziemlich unklug, sein Auto einfach auf einer nicht extra dafür gekennzeichneten Fläche an der Strasse abzustellen, denn das kann schon nach wenigen Stunden Strafverfahren nach sich ziehen. Ebenso ist es relativ weit verbreitet, dass der Arbeitgeber keine oder mindestens keine kostenlosen Parkplätze bereitstellt. Deshalb ist die oben genannte Zahl von über 50% autofahrenden Berufspendlern um so erstaunlicher. Noch erstaunlicher ist, dass gemäss Bundesamt für Statistik (BfS) gemäss letzter veröffentlichter Zahlen rund 78% aller Haushalte mindestens ein Auto besitzen.

Die Schweiz ist aber überwiegend sehr ländlich, und obwohl praktisch jede Gemeinde irgendwie so an den öffentlichen Nahverkehr (ÖV) angebunden ist, dass du mindestens zu den Stosszeiten mit Bus und Bahn ans Ziel gelangst, kann die damit verbundene Reisezeit trotz relativ kurzer Strecke sehr lang werden. Damit relativiert sich das Erstaunen wieder etwas.

Der Graf als Pendler

In meinem Fall betrüge die durchschnittliche einfache Strecke vom Wohnort ins Büro mit der Bahn plus Fussweg plus Bus mehr als 45min. Vor der Covid-19-Pandemie bin ich deshalb ausser an Tagen mit Aussenterminen praktisch täglich mit dem Auto ins Büro gependelt und habe für meinen Firmenparkplatz zusätzlich zur Tiefgarage zu Hause knapp 195 CHF pro Monat bezahlt. Wenn ich nicht gerade mal wieder Pech hatte, dass ein Unfall auf der nahen Autobahn auch die Strassen im Umfeld an den Kollaps brachte, konnte ich meine einfache Pendelzeit auf etwa 15min reduzieren. Täglich hatte ich also bis zu einer Stunde mehr Freizeit mit dem Auto, verglichen mit dem ÖV.

Nun kommen in meinem Fall noch ein paar weitere Gründe dazu, warum ich ein Auto «brauche»:

  1. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich im Durchschnitt einmal pro Woche Kundentermine vor Ort wahrnehme. Viele dieser Kunden sind mit dem ÖV von meiner Wohngemeinde aus so unglücklich angebunden, dass ich tägliche Reisezeiten von mehr als 4h hätte. Das sind dann zwar fleissig Überstunden, aber in proppenvollen Abteilen definiere ich Spass einfach anders. Da ich die Reisezeiten mit einem PKW in praktisch jedem Fall um mindestens eine Stunde verkürzen kann und meine Tätigkeit auch nicht sonderlich gut «zugtauglich» ist, rechnet sich die PKW-Fahrt für den Arbeitgeber jederzeit.
  2. Meine Verwandten leben nach wie vor in Deutschland, reisen selbst nicht soooo gerne über hunderte Kilometer mit Zug oder Auto (vor allen Dingen für meine Eltern ist das inzwischen recht mühsam in ihrem Alter), und in pandemiefreien Zeiten waren wir es gewohnt, durchschnittlich dreimal im Jahr nach NRW hochzufahren. Vor Ort möchte ich dann auch mobil sein und etwas unternehmen, vor allen Dingen, weil ich
  3. Zwei eigene Kinder habe. Beide sind inzwischen im Sportvereinsalter, regelmässig sind daher am Wochenende irgendwo in der Umgebung Wettkämpfe und Turniere, und vor allen Dingen sonntags kommt man aus unserer Gemeinde mit dem ÖV ziemlich schlecht weg. Obendrein sind beide Kinder inzwischen auch billetpflichtig, so dass die eingangs genannten Abo-Preise sich mindestens um Regional-Abos für die Kinder und fallweise für grössere SBB-Reisen um diese Ticketpreise erhöhen würden.
  4. Dinge des täglichen Bedarfs kann ich prinzipiell bei Coop, Migros, Denner und Landi direkt im Dorf besorgen. Jedoch sind die Aufpreise für viele Artikel sehr happig und nicht durch objektive Qualitätsunterschiede zu rechtfertigen. Ergo wird für den wöchentlichen grösseren Einkauf ein «Chlapf» benötigt.
  5. Meiner hauptsächlich bevorzugten Sportart, dem Schwimmen («Kacheln zählen»), kann ich nur im Hallenbad bzw. Freibad einer anderen Gemeinde in der Luzerner Agglomeration nachgehen. Die einfache Strecke würde mit dem ÖV mindestens eine Stunde Fahrzeit erfordern. Mit dem Auto habe ich zwei verschiedene Routen zur Auswahl, die mich in maximal 17min ans Ziel bringen; vom Büro aus sind es nur 5min, und ich habe das in den letzten sechs Jahren etwa zweimal pro Woche ausgenutzt, in der Mittagspause eine Trainingseinheit einzulegen und den Kopf freizuschwimmen.

Der Verzicht auf einen eigenen Wagen brächte also vielfältige Nachteile und insbesondere erhebliche Opportunitätskosten mit sich. Einige davon würden sich direkt im Haushaltsbudget wiederfinden (z.B. das GA anstelle der Autokosten sowie erhebliche Reise- und Mietwagenkosten für die Familienbesuche), andere wie die entgangene Freizeit bei ÖV-Nutzung muss ich mit einem realistischen fiktiven Stundenlohn ansetzen (das wird bei meinem realen Lohn dreistellig pro Stunde).

Die realen Kosten eines eigenen PKWs

Zur Veranschaulichung der tatsächlichen Kosten, die ich für einen eigenen PKW im Privathaushalt für das Haushaltsbudget veranschlage, greife ich unter anderem auf die Kalkulation für den Unterhaltsvertrag mit meiner Expartnerin sowie auf meine eigenen Gegebenheiten zurück. Die nachfolgenden Berechnungen gelten generell sowohl für ein tatsächlich selbst gekauftes Fahrzeug als auch für einen Geschäfts- bzw. Firmenwagen, den du auch privat nutzen darfst, denn beim Firmenwagen handelt es sich ja um nichts anderes als eine versteckte Gehaltskomponente (mindestens der Privatnutzungsanteil würde ja bei fairer Entlohnung im anderen Fall zusätzlich als Gehalt mit ausgeschüttet).

Ich verzichte bewusst auf Extreme wie typische Phallussymbole oder den modernen Mama-Panzer, setze dafür aber als Anschaffungspreis jeweils einen Neuwagen bzw. Jahreswagen voraus. Bei den beiden Fahrzeugen handelt es sich einmal um solide ausgestattete Mittelklasse und einmal um eine gut ausgestattete klassische Zweitlimousine im Haushalt. Ausserdem reden wir über den Kauf der Fahrzeuge, nicht über solchen Blödsinn wie das Leasing von Gebrauchsgegenständen.

Tabelle mit Auflistung sämtlicher Kostenfaktoren eines PKW
Aufstellung aller unmittelbaren PKW-Kosten vor Einkommensteuereffekten

Ausführliche Erläuterungen

Nachfolgend erkläre ich ausführlich die einzelnen Komponenten, aus denen sich die Gesamtkosten (auch Total Cost of Ownership oder kurz TCO genannt) zusammensetzen.

Der Kaufpreis

Der Kaufpreis wird üblicherweise auf zehn Jahre Nutzungsdauer des Autos verteilt. Hierzulande müssen Privat-PKW im Vermögensverzeichnis bei der Steuererklärung aufgeführt werden. Diese Positionen werden jährlich um 30% abgeschrieben, so dass nach zehnjährigem Besitz noch ein Restwert von etwa 2.8% verbleibt (gleichwohl das Fahrzeug gemäss Eurotax-Liste meist noch etwa 15 bis 20% des ursprünglichen Kaufpreises wert wäre, wenn es scheckheftgepflegt ist).

Parkplätze zu Hause und am Arbeitsplatz

Meine Expartnerin hat einen Aussenstellplatz am Haus, in meinem Fall ist es ein Tiefgaragenparkplatz. Sie kann beim Arbeitgeber kostenfrei parkieren/parken, bei mir wäre entweder die Miete eines festen Parkplatzes erforderlich oder der fallweise Einwurf kleiner Münzen in den Automaten. Da ich mit der Pandemie weitgehend ins Homeoffice gewechselt bin und das beibehalten werde, vernachlässige ich die Parkkosten am Büro, denn sie werden indirekt über die monatlichen Spesen wieder mehr als ausgeglichen.

Wiederkehrende Inspektionskosten

Die Inspektionskosten sind für beide Fahrzeuge ein Erfahrungswert, der durch eine aktuelle Auskunft eines Autohändlers für eine mögliche Ersatzbeschaffung der Grafenkutsche bestätigt wird (tendenziell sind die realen Kosten deutlich niedriger, kommt auf das Fahrzeugmodell an). Hier habe ich auch die MFK (das, was in Deutschland TÜV/Dekra machen) reingerechnet.

Jährliche Steuern und Zwangsabgaben

Die Fahrzeugsteuer habe ich mit 8 bzw. 7 Steuer-PS gemäss aktuell gültiger Regeln im Kanton Luzern angesetzt. Für andere Kantone gelten naturgemäss andere Regeln (Kantönligeist ist Trumpf).

Die jährliche Autobahnvignette ist praktisch unvermeidlich und kostet seit vielen Jahren pauschal 40 CHF pro Jahr.

Neue Schuhe für das Auto

Bei der Bereifung bin ich von zwei Sätzen Reifen (Winter und Sommer) ausgegangen, die alle vier Jahre zu ersetzen sind (je 30’000 km Laufleistung je Satz). Beim grösseren Fahrzeug sind naturgemäss etwas teurere Reifen anzusetzen. Ein Golf mit 205er Reifen käme z.B. auf ca. 600 CHF / Reifensatz, also etwa 150 CHF pro Reifen.

Alles geht einmal kaputt

Für Reparaturen setze ich auch wieder auf Erfahrungswerte. Bei der Karosse der Ex-Gräfin hatten wir bisher noch gar keine Reparaturen, die 200 Franken sind also als Rückstellung zu betrachten und als Faustformel vom TCS für ein Auto ihrer Fahrzeugklasse übernommen worden. Im Fall meines Wagens hatte ich in den letzten zehn Jahren neben einem defekten Xenonscheinwerfer und einem defekten Spiegel-Einstellregler lediglich eine ebenfalls kaputtgegangene Kühlwasserpumpe bei etwa 150’000 km Laufleistung zu beklagen. Ein Kaskoschaden sowie drei (!) durch Steinschlag gehimmelte Windschutzscheiben wurden jeweils über die Versicherung abgedeckt. Wirklich reparaturanfällig werden die meisten Autos erst deutlich nach dem zehnten Lebensjahr, deshalb ist es auch wirtschaftlich, ein Auto genau dann zu ersetzen.

Ohne Versicherungen geht es nicht

Bei der KFZ-Versicherung habe ich hier Haftpflicht mit Vollkasko herangezogen, was zumindest in den ersten fünf bis sechs Jahren verantwortbar ist. Aufgrund unterschiedlich langer Fahrpraxis/Führerscheindauer und Schadenfreiheitsklasse kosten beide Fahrzeuge lustigerweise fast gleich viel im Jahr.

Variable und matchentscheidend: Sprit

Die Benzinkosten habe ich gemäss der zweiten Tabelle unter der Kostenaufstellung ermittelt. Die Verbrauchswerte sind Erfahrungswerte mit beiden Fahrzeugklassen, der Spritpreis ist der Durchschnittswert der letzten zehn Jahre für einen Benziner und momentan auch der aktuelle Durchschnittspreis im Kanton Luzern (an der Berner Grenze wird stellenweise noch 1.55 CHF angeboten). Die Fahrleistung von je 15’000 km setzt sich bei der Ex-Gräfin zusammen aus ca. 9’000 km Pendelverkehr, maximal drei Verwandtschaftsbesuchen pro Jahr (aktuell in der Pandemie sind es null bis eins) und dem Rest Kurzstrecken fürs Einkaufen und Kinder-Taxidienste sowie Freizeit. Bei mir sind es etwa 4’200 km Büropendeln in regulären Zeiten, ebenfalls maximal drei Deutschlandreisen oder andere Urlaube mit dem Auto, etwa 25% der Mama-Taxidienste, etwas Freizeit sowie die beruflichen Aussenterminstrecken, die normalerweise mindestens 5’000 km im Jahr ausmachen, jetzt im zweiten Jahr der Pandemie jedoch nur etwa 4’000 km bei etwa 11’000 km jährlicher Fahrleistung.

Jetzt wird gerechnet

Daraus resultieren dann die effektiven jährlichen kalkulatorischen Kosten für die beiden Fahrzeuge, hier allerdings vor Steuern. Im Fall der Ex-Gräfin haben wir das für die Unterhaltskalkulation auf 500 CHF aufgerundet, damit wir nicht bei jedem Preissprung an der Zapfsäule wieder über die Bücher müssen. In meinem Fall differenziere ich zusätzlich, ob das Fahrzeug indirekter Gehaltsbestandteil wäre oder Privatfahrzeug. Das ist eine spannende Berechnung, weil einerseits für die Privatnutzung eines Firmenwagens hierzulande jährlich lediglich 9.6% des Nettokaufpreises als geldwerter Vorteil zu versteuern sind, andererseits als echt auszuzahlendes Gehalt des Privatnutzungsanteils des Fahrzeugs Lohnnebenkosten sowie der Grenzsteuersatz mit zu berücksichtigen sind.

Zuletzt habe ich kurz ausgerechnet, ab wieviel Laufleistung pro Jahr das Fahrzeug wirtschaftlich im Sinne der steuerlichen Betrachtung wäre. Dazu musst du wissen, dass wir hier 70 Rappen je Kilometer für den Arbeitsweg als «Gewinnungskosten» in der Steuererklärung angerechnet bekommen (maximal 6’000 CHF / Jahr in den meisten Kantonen), und zwar für beide Wegrichtungen, und diese 70rp sind auch das, was die Arbeitgeber üblicherweise als Spesensatz für geschäftliche Fahrten auszahlen, wenn man den eigenen PKW dafür nutzt. Frau Ex-Gräfin kann als alleinerziehende Mutter im Familientarif und mit ihrer (ebenfalls gut bezahlten) Teilzeitstelle volle 6’000 CHF von ihrem Steuerbaren Einkommen abziehen und zahlt deshalb rund 1’000 CHF weniger Einkommensteuer im Jahr (real sinken also ihre Fahrzeugkosten um etwa 90 CHF im Monat).

Bei meinem Fahrzeug ist es etwas komplizierter – im Fall der Kalkulation als Geschäftswagen reduzieren sich nämlich meine Fahrzeugkosten auf die Parkplätze zu Hause und im Büro, den im Ausland auf Reisen getankten Sprit sowie den geldwerten Vorteil, den ich zu versteuern habe. Obwohl in der Tabelle oben über 770 Franken stehen, sind es also effektiv eher 300, mit denen ich rechnen muss. Als Privatwagen senken die kalkulatorischen 5’000km auf Spesen (3’500 CHF) die jährlichen Kosten erheblich, und der in der Steuererklärung abziehbare Fahrtweg zur Firma bringt nochmals knapp 620 Franken (Grenzsteuersatz 20.97%).

Ausserdem fällt so herum kalkuliert ja der geldwerte Vorteil an Opportunitätskosten nicht an, sind bei diesem Fahrzeug nochmals mehr als 1’200 CHF. So bleiben nur noch etwa 330 CHF / Monat übrig, die ich für die Mobilität zu rechnen habe. Beide Rechenwege kommen also mit einer leichten Schiefsicht auf dem linken Auge zu fast dem gleichen Resultat. Jeder zusätzliche Kilometer „auf der Piste“ für die Firma senkt beim Privatwagen die effektiven Kosten weiter, sofern man sich mit der jährlichen Kilometerleistung bereits jenseits der Wirtschaftlichkeitsschwelle bewegt.

Schlussabrechnung

Selbstverständlich darf der GA-Besitzer dieses ebenfalls in der Steuererklärung geltend machen und sich vom Fiskus indirekt bezuschussen lassen. Bei meinem Grenzsteuersatz wäre das ein Rabatt um 20.97% auf den Monatspreis, effektiv also etwa 255 bzw. 420 CHF. Beide vorgestellten Fahrzeuge liegen also komfortabel in der vergleichbaren Kostenzone. Dabei ist das noch zugunsten des GA schöngerechnet, weil die Kosten für Kinderbillets und Mietwagen für die Verwandtenbesuche noch gar nicht berücksichtigt sind. Auf der anderen Seite steht zweifelsohne die hohe Flexibilität auf der Habenseite, die das Auto bringt.

Falls du dich in der komfortablen Situation befindest, bei einem bevorstehenden Stellenwechsel zwischen Geschäftswagen oder etwas höherem Gehalt zu wählen, habe ich dir nun alle Grundlagen vermittelt, wie du die Entscheidungsgrundlage für das eine oder das andere berechnest.

Diskussionen zum ökologischen Fussabdruck möchte ich heute vermeiden, und das hat Gründe: in einer Nation von Mietern wie der Schweiz ist es zumindest jetzt noch in den meisten Fällen unmöglich, ein e-Auto in der häuslichen Tiefgarage zu betanken. Bis dies bei allen Vermietern durchgesickert ist und alle Einstellhallenplätze zu e-Tankstellen aufgerüstet sind, ziehen sicher noch zehn Jahre ins Land, also mindestens eine Fahrzeuggeneration im Haushalt. Und zum anderen wird die ganze Ökologiediskussion in dem Moment absurd, wenn ich bedenke wie riesig der ökologische Fussabdruck für die Batterieherstellung und wie gross nach wie vor der prozentuale Anteil von Atom- und Kohlestrom an jeder erzeugten Kilowattstunde sind. Und sowohl die e-Autos als auch die Züge und elektrischen Citybusse nutzen genau den gleichen Strom, auch wenn das etwas anders schöngeredet wird.

Ups, schon wieder so ein riesiger Artikel. Ich hoffe, dass alle Gedankengänge logisch nachvollziehbar gelungen sind. Wie hast du dich für deinen Haushalt entschieden? ÖV/GA, oder bist du ebenfalls Automobilbesitzer? Setzt du dafür die korrekten kalkulatorischen Kosten an und bildest bereits Rückstellungen für Reparaturen, Inspektion und Ersatzbeschaffung?

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